Motor Dessau verabschiedet sich als 27. Verein aus dem Pokalgeschehen

Motor Dessau war erster FDGB-Pokalsieger

Das war bitter. In der Nachspielzeit wurde dem Motor aus Dessau der Saft abgestellt. Im Landespokal Sachsen-Anhalt war für den Ex-DDR-Oberligisten (zuletzt 1953/54) gegen den VfL Halle Endstation. Damit ist in dieser Saison der 27. Ex-DDR-Oberligist aus dem Pokalgeschehen raus.
Wer noch im Rennen ist

Der Pokal ist quasi der Startpunkt für die größten Erfolge von Motor Dessau. 1949 wurde man erster FDGB-Pokalsieger! Damit war man für die Neugründung der DDR-Oberliga im selben Jahr gesetzt. Mit Rang drei landeten die Dessauer gleich die beste Platzierung überhaupt. Für wenige Jahre war Dessau eine Fußballhochburg. In der Saison 1952/53 sollen 32000 Zuschauer den 2:1-Sieg gegen Chemie Leipzig gesehen haben, dem ersten DDR-Meister.

Was dann kam, ist in zweierlei Hinsicht kaum zu glauben. Erfolgstrainer Willi Braun wurde aus politischen Gründen abgesetzt. Walter Fritzsch übernahm, damals ein 33-jähriger Jungspund ohne Trainerdiplom. Es folgte der Abstieg. Motor Dessau gelang nie wieder die Rückkehr in die DDR-Oberliga. Traurig für den Fußball in der Stadt: Das Pokalspiel gegen den VfL Halle wollten gerade mal 156 Zuschauer sehen.

Eben jenem Walter Fritzsch, dem in Dessau nach seinem Abschied kaum einer eine Träne nachgeweint hat, dem wurde später in Dresden ein Denkmal gesetzt. Zuvor sammelte er erst mal Erfahrung bei zahlreichen DDR-Oberligisten. Wismut Aue führte er als Trainer ins Oberhaus, danach folgten die Stationen Empor Lauter, Motor Dessau, SC Karl-Marx-Stadt, Stahl Riesa und Empor Rostock.

Ein Trainerdiplom hatte er auch 1969 noch nicht, als er nach Dresden ging, um Dynamo zu übernehmen. Es sollte seine längste Trainerstation werden. Die neun Jahre sind im Übrigen auch die längste Periode, die jemand auf dem Trainerstuhl bei Dynamo sitzen durfte. In seiner Amtszeit gewann Walter Fritzsch mit Dynamo fünf Meistertitel und zwei Pokalsiege. (guk)

Beitrag von 5. November 2018